Normalerweise gebe ich, wie auch meist anderer Kritiker, eine Filmkritik um mehrere Zeilen und Absätze ab. Meist ist dies aber der Fall wenn es um Filme geht, die diverse negative Punkte aufweisen, die es zu beleuchten gilt. In diesem Fall kann man über solche Punkte aber kaum sprechen, es gibt sie nämlich garnicht. Oder man nörgelt in ein, zwei Fällen auf hohem Niveau, und dass ist hier fehl am Platze (und vor allem in diesem Blog). Nun, in der Kürze liegt die Würze (es liegen schon fünf Euro in der Volksweisheitenkasse).
Entgegen aller vorbehalte, Tarantino mache einen Film über eine Gruppe von Juden die Nazis skalpieren, untermals mit Italowestern Musik, und dass heutzutage bei so einem sensiblen Thema (man nehme Pop-Kultur gemixt mit Nazikriegsfilm), hat der geniale Kopf es geschafft einen Filmepos herzustellen, der in Punkto Drehbuch, Regie, Dialog und Inszenierung wirklich noch sein bisheriges Schaffen in den Schatten stellt.
Tarantino hat es geschafft, wieder zur alten Form aufzulaufen, was er teilweise bei “Death Proof” vermissen lies. Grandiose, minutenlange Dialogszenen mit zwei oder mehreren Protagonisten, und man hängt an jedem Wort, an jeder Geste. Langeweile ist hier ein Fremdwort. Der 2 1/2 stündige Film setzt sich eigentlich aus mehreren langen Dialogszenen zusammen, jede für sich ergreifend, spannend und teilweise urkomisch. Dieses Niveau hält er durch den kompletten Film bei nicht immer 100%, aber knapp drunter, und ihr wisst ja, dass hohe Niveau.
Wer glaubt, dieser Film handle fast ausschließlich von den Taten einer Gruppe von Nazijägern, den “Basterds”, der irrt. Tarantino richtet sein Augenmerk eher auf den Racheplan einer jüdischen Kinobesitzern, die ihre Chance auf Rache an dem Tod ihrer Familie sieht, in dem sie die komplette Riege der deutschen Nazifürhung (einschließlich Adolf Hitler) in ihrem Kino zur Hölle jagt. Aber auch die “Basterds” verfolgen diesen Plan, und nebenbei wittert ein SS Offizier, wirklich einzigartig und großartig gespielt von Christoph Waltz, seine Chance auf die Rettung der Welt. Am Ende, siegt das Kino gegen das Böse, die eigentliche Grundhaltung hinter diesem Machwerk.
“Inglorious Basterds” ist ein Charakterstück aller erster Güte, Tarantinos Fähigkeiten in Sachen Schauspielführung sind grandios. Selbst Diane Krüger spielt sogar mal richtig ordentlich, als durchschnittlicher deutscher Schauspielstar auf Agentenwegen. Wer sich vor exessiven Gewaltszenen sträubt, sollte hier vorsichtig sein. Tarantino läßt auch hier gezielt viel Blut fließen, wo auch ich schon mal die Augen leicht abwenden musste.
Nun, wer es also nicht ganz so ernst nimmt mit der deutschen wie europäischen Kriegsvergangenheit und weiß, dass Tarantino kein infantiler Hollywoodregisseur ist, der dümmlich diverse Naziklischees einsetzt, dem kann ich diesen Film nur wärmstens empfehlen. Vor allem für diejenigen die mal sehen wollen, wie man einen gewissenlosen, juden-jagenden SS Offizier (Waltz), zu einer fast schon sympatischen Gentlemanfigur machen kann. Mist, jetzt doch wieder etwas länger geworden.
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