Feb
1

Filmkritik: “Tron Legacy”: Das Programm wurde aufgrund eines Problems nicht richtig ausgeführt und wird geschlossen. 2/10

Von Dennis in Film und TV, Filmkritik | keine Kommentare

Eine Neu-Verfilmung oder Fortsetzung von Spielfilmklassikern haben es immer schwer. Stets müssen sie sich nicht nur dem Film an sich gegenüber unter Beweis stellen, sondern auch einer über die Jahre herangewachsenen Heerschar von Fans. Und ist der direkte Vergleich dann immer gerechtfertigt? Kann man überhaupt Filme vergleichen, die im Abstand von fast 30 Jahren gedreht wurden? Nun, wenn man wie im Falle von “Tron Legacy” versucht “Altes” aus dem Klassiker “Tron” zu übernehmen und “Neues” hinzufügt, bzw. damals wohl durchdachtes neu interpretiert, und damit gnadenlos scheitert, dann ist ein Vergleich wirklich angemessen. Zumal es um die hier immens wichtige Frage geht: Wie nahe darf die digitale Computerwelt zu unserer realen Welt stehen? Die ausführliche Kritik nach dem Klick.

“Tron Legacy” ist ein furchtbarer Film. Ich sage es gleich mal im voraus, für jene, die nicht zu viel Zeit haben um weiter zu lesen, und zu jenen gehören, die meine Kritiken auch etwas abgewinnen können.

Wie bei jeder Franchise die nach Jahrzehnten eine Wiederkehr in die Kinos feiert, so war auch hier bei mir die Erwartungshaltung sehr, sehr niedrig. Und trotzdem schaffte “Tron Legacy” den Limbo, und kroch unter der Stange durch. Dies liegt nicht vornehmlich an der Handlung und dem einfachen, vorhersehbaren und unspannenden Drehbuch, sondern vor allem auch an der Präsentation der digitalen Welt, die nicht funktioniert. Aber kurz zum Inhalt.

Eine Handlung so spannend wie ein Ladebalken.

Die Geschichte von “Tron Legacy” spielt 25 Jahre nach den Ereignissen von Teil 1. Kevin Flynn hat nun einen Sohn, der sich auf die Suche nach seinem lange verschwundenen Vater macht und selbst in die digitalen Welten – die Flynn Senior geschaffen hat – hineingesogen wird. Dort trifft er nicht nur auf das jüngere (und bösere) Alter-Ego von Kevin Flynn namens Clu, der die digitale Welt unterjocht, sondern trifft auch seinen nun gealterten Vater, der als meditierender Eremit mit dem hübschen Programm Quorra im Exil lebt. Warum? Weil Flynn Senior als eigentlicher Schöpfer der Welt den Schlüssel in Händen hält, mit dem Clu seine digitalen Armeen in unsere reale Welt führen kann. Wie das funktionieren soll, und das Quorra noch das letzte Exemplar einer ausradierten “Computerrasse” namens ISO ist, tut dabei eigentlich nichts mehr zur Sache.

Zur Handlung ist wie gesagt nichts überragendes zu sagen, sie ist vorhersehbar, die Spannung ist selbst in den schon oft gesehenen Actionszenen gleich Null. Eine “größere” Wendung die der Film am Ende annimmt, nämlich was wirklich mit dem Programm “Tron” zuvor geschah, ist ebenso vorhersehbar, wenn man als dramaturgisches Stilmittel den Figuren einfach blickdichte Helme aufsetzt und später sagt: “Tada!”. Wäre dies aber das einzige, man könnte darüber hinwegsehen und einfach einen schönen Kinoabend geniessen. Wäre da nicht noch der Punkt,  dass ebenso keinerlei Spannung aufkommen, wenn der Zuschauer Flynn Junior auf seinem Weg durch diese “neue – digitale – Welt” folgt. Man hat dies schlicht und ergreifend alles schon mal irgendwo in anderen bekannten Filmen gesehen. Und hier komme ich zum größten Kritikpunkt.

Wenn die digitale Welt zu sehr menschelt.

Filmregiedebütant Joseph Kosinski und sein Team haben eine digitale (im doppelten Sinne) Welt erschaffen, die so nicht funktioniert. Was beim Klassiker “Tron” das herausragende war, aber auch sein damaliger Mißerfolg, ist der surreale Charakter der Welt in der die Hauptfigur und auch der Zuschauer hineinversetzt werden. Flächen, Farben und Licht, scheinbar nichts greifbares, keine Haptik, keine Friktion, eben eine Welt wie sie so in Leiterbahnen existieren könnte, der vollendete Kontrast zu organischen Welt. “Tron” hat dies meisterhaft präsentiert, und es gibt keinen weiteren Film der in solch einer einzigartigen Welt spielt. Mit den heutigen Mitteln um Welten auf der Leinwand zum Leben zu erwecken, hätte man sich weitaus mehr erhofft, als “Tron Legacy” hier bietet. Beginnend beim Eintritt von Flynn Junior in die Bits- und Byteswelt wird dem Zuschauer kein konkreter Schnitt von Welt zu Welt gewährt, man fühlt sich eher in eine andere Zeit versetzt, als sich Flynn Junior plötzlich in einem urbanen, utopisch anmutenden Hochhauskomplex wiederfindet, inklusive Verkehr, Strassen und Kreuzungen. Der Himmel ist wolkenverhangen, es regnet von Zeit zu Zeit und die “Menschen” rennen mit Regenschirmen umher. Sieht so eine digitale Welt im Computer aus? Hier fühlt man sich an Bilder aus “Blade Runner” erinnert, und auch sonst kommen zahlreiche Referenzen aus Filmen wie “Matrix” oder “2001 – Odyssey im Weltraum” zu Tage, denen sich Kosinski bedient (von Star Wars ganz zu schweigen). Das macht mich nicht nur wütend, sondern auch traurig, dass bis auf diverse Fahrzeuge und Elemente aus dem ersten Teil nichts übernommen wurde, oder als grundlegende Inspiration diente. Man hat das Gefühl, als ob Kosinski den Zuschauern eine ähnlich Abstrakte Vorstellung einer digitalen Welt wie in “Tron” einfach nicht zugetraut hat, und dann einfach unsere reale Welt etwas “digitalisiert” hat, und daraus schlicht eine moderne Metropole wie Tokyo oder Shanghai gemacht hat, inklusive der mittlerweile fast schon obligatorischen Clubszene, wo die Programme einen trinken gehen (und dem “Merowinger” aus “Matrix” den Taktstock schwingt). Ich könnte noch mehr Beispiele aufzeigen, von Details wie Abgassstrahlen oder Bremsspuren, oder das der Lichtrenner Wettkampf zum müden postmodernen Abklatsch von “Deathrace 2000″ verkommt, aber das nur am Rande.

Aber wenigstens in visueller Hinsicht opulent?

Manche von euch mögen nun meinen, hey Dennis, du verreist das Stück ja ganz ordentlich, waren wenigstens die Effekt, dass 3D-Erlebnis der Hammer? Sorry, aber auch hier leider Fehlanzeige. Man entschied sich bei “Tron Legacy” zum Einen dafür, alle Szenen die noch in unserer Welt spielen, rein in 2D darzustellen, die Szenen im Computer sind dann wieder in 3D gehalten. Stilistisch eine gute Idee, aber leider kommt der sogenannte “WoW-Effekt” bei den 3D Szenen fast nie zum Zuge, das Tiefengefühl ist meist sehr schwach, teilweise in einzelnen Szenen so gut wie überhaupt nicht vorhanden. Und gerade in der wichtigen Szene, beim Eintritt in die digitale Welt, kommt diese Entscheidung so kaum zum tragen. Klar, die Computereffekte sind bei einem Film dieser Klasse natürlich sehr hochwertig, aber wie gesagt, vom Hocker reist es einen nicht, weil irgendwie glaubt man dies alles ja schon einmal gesehen zu haben (siehe Beispiele weiter oben). “Tron Legacy” beglückt das Auge nicht mit neuen Eindrücken, so wie das Filme wie “300″, “Sin City” oder “Watchmen” getan haben. Und zum Anderen sieht selbst die digitale Verjüngungskur von Darsteller Jeff Bridges eher nach einem ziemlich bösen Botoxunfall aus. Da hätte sich die CGI-Schmiede “Digital Domain” doch lieber von den lieben Kollegen von “Rockstar” auf die Finger schauen lassen.

Fazit

2/10 Punkten

Ich könnte noch ein paar weitere Seiten mit Punkten schreiben, die diesen Film leider die Kritik einbringen, die aktuell weitreichend zu lesen sind, aber ich denke mal ihr habt meinen Standpunkt verstanden. Hardcorefans des ersten Teiles, die sich ein eigenes Bild machen möchten, sollten sich diesen Film im Kino ansehen. Für bis zu 12 Euro am Wochenende, inklusive 3D-Zuschlag versteht sich, kann ich diesen Streifen sonst niemanden empfehlen. Mit fehlender Liebe zum Detail und dem Mut, etwas aussergewöhnliches zu schaffen, hat Kosinski meiner Meinung nach eine filmische Bauchlandung hingelegt, obwohl der Film weltweit schon sein Budget von 170 Millionen Dollar locker wieder eingespielt hat. Also freut euch jetzt schon mal auf den zweiten (halt, dritten?) Teil. Von mir gibt es zwei von zehn Punkten. Warum? Weil Jeff Bridges trotz allem ne coole Sau ist, und der Soundtrack von Daft Punk als einziges an diesem Werk wirklich großartig und einzigartig ist.

Related posts:

  1. Der Tron Guy über “Tron Legacy”
  2. News zu weiteren Viralaktivitäten zu “Tron Legacy” und “Iron Man 2″: “Space Paraniods” und “Accutech”
  3. “Tron Legacy” Trailer online
  4. Neuer Still von Jeff Bridges in “Tron Legacy”; erster zwei Minuten 3D Trailer vor Tim Burtons “Alice”; TV-Serie geplant?
  5. Zweites Tron Legacy “Lightcycle” Poster veröffentlicht

Deine Meinung ist wichtig. Hier klicken und dein Kommentar schreiben.

Keine Kommentare vorhanden.

Schreib jetzt dein Kommentar, bleib fair





  • Blog Top Liste - by TopBlogs.de
    Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen
  •