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Filmkritik Ridley Scotts “Robin Hood”: Rostige Schwerter, schlaffe Strumpfhosen – 5/10

Von Dennis in Film und TV, Filmkritik | keine Kommentare

Ridley Scotts Robin HoodIn Ridley Scotts nun mehr vierten Film, welcher sich im Fahrwasser von seinen vergangenen Sandalen-, bzw. Mantel und Degen Film bewegt, wird die bisher nie erzählte Vorgeschichte der Robin Hood Sage erzählt, also bevor dieser dann von den Reichen nahm und es den Armen gab.

Leider kränkelt diese Neuinterpretation an zahlreichen Stellen, und man fragt sich ernsthaft, ob Ridley Scott mit seinen 72 Jahren zu Müde wird um weiterhin intelligentes und spannendes Kino zu machen, so wie er dies in der Vergangenheit schon unter Beweis gestellt hat, oder einfach nur nach Schema F erzählt. Ebenso Autor Brian Helgeland, der schon mal besseres zu Papier gebracht hat.

Weiteres erfahrt ihr nach dem Klick. An dieser Stelle sei von etwaigen Storyspoilern gewarnt.

Robin Longstride (Russell Crowe), treu ergebener Bogenschütze der Kreuzzugsarmeen unter König Löwenherz (Danny Huston), tritt nach Kritik am Glaubenskrieg und dem Tod von Richard Löwenherz die Flucht von der Armee zurück nach England an. Zusammen mit seinen Weggefährten Little John (Kevin Durand) und Will Scarlet (Scott Grimes) treffen sie zufällig auf eine geschlagene Gruppe Abgesandter, welche die englische Krone wieder nach Britannien hätte bringen sollen. Ritter Sir Robert Loxley (Douglas Hodge) verliert dabei sein Leben und bittet Robin sein Schwert seinem Vater in Nottingham wieder zurück zu bringen. Gesagt getan, schließlich kann Robin Longstride nun dessen Identität annehmen um einreisen zu können, als Robin von Loxley.

Bösewicht Godfrey(Mark Strong), mit dem ursprünglichen Auftrag den König zu töten, macht sich ebenfalls auf die Jagd nach der Krone. Dieser macht gemeinsame Sache mit den Franzosen und möchte das Land in Unruhe versetzen, für eine bevorstehende Invasion. Mit dem Wissen, das Robin Hood ihn und seine geheimen Machenschaften verraten kann, steht dieser auf seiner Abschussliste. Der neue König Prince John (Oscar Isaac) regiert unterdessen das Land mit eiserner Faust, was zu einem, unter Anderem von Godfrey beeinflußten, Bürgerkrieg auszuarten droht.

Als Robin von Loxley trifft er in Nottingham auf die Witwe von seinem eigentlichen Namensgeber, Marion Loxley (Cate Blanchett) und ihrem Schwiegervater Sir Walter Loxley (Max von Sydow). Robin soll weiterhin seine falsche Identität beibehalten und als falscher Sohn des Lords auftreten. Letztendlich ist Robin Hood der einzige, der die rebellierenden Lords wieder Einen kann, um gemeinsam gegen die französischen Invasoren zu Felde zu treten. Das Versprechen des Königs, dass Städte und Dörfer in Zukunft selbst über sich bestimmen können und so etwas wie Menschenrecht herrscht, wird später nicht von ihm eingehalten und Robin Hood wird als Gesetzloser geächtet. Und hier beginnt dann die ursprüngliche Geschichte und Legende.

Es wird viel gesäht, was später nicht keimt

Handlungstechnisch passiert viel in der ersten Hälfte des Filmes. Intrigen werden gespinnt, Antagonisten und Protagonisten haben unterschiedliche Ziele, Machtverhältnisse und ein politisches Vakuum, gepaart mit einem, aufgrund der teuren Kreuzzüge, finanziell karge Land bieten viel Platz für einen interessanten Plot. Leider werden diese interessanten Erzählstränge in der zweiten Hälfte nicht eingelöst oder in ihrem dramatischen Potenzial genutzt.

Dazu gehört auch einer meiner stärksten Kritikpunkte, die mit Zufällen gespickte Heldenreise von Robin Hood. Durchweg fällt er von einem zufällig sich ergebenen Ereignis in das Nächste und das ohne weitere Komplikationen. Das fängt damit an, dass ihm die englische Krone in den Schoss fällt, ganz England einfach so glaubt, er wäre Sir Robert von Loxley und hört damit auf, dass er ohne jeglichen Konflikt eine Rolle als Ersatzsohn von Walter Loxley einnimmt, Lady Marian dies auch offensichtlich kaum stört und er letztendlich auch noch in das Dorf kommt, in dem er damals als Sohn eines Reformanten aufwuchs, nach dessen Thesen er die Truppen der Lords nun vereinen will. Ein anfänglich scheinbar professionell angelegter Filmplot, verkommt im Laufe er Geschichte zu einer Handlung, wie sie auch ein Filmhochschulstudent im Zwischendiplom hätte verfassen können.

Die bekannte Figur des Sheriffs von Nottingham (Matthew Macfadyen) nimmt dabei eine genauso belanglose Rolle ein, wie die dünne und für den Film nutzlose Backstory um den Tod von Robin Hoods Vater. Der Film erschlafft so in der zweiten Hälfte zu einem in Fetzen gehaltenen Cape, das lose im Wind zappelt. Es wird nichts eingelöst, was zu Anfang noch vielversprechend klang.

Historische Endschlacht die 2562te

Natürlich darf erwartet werden, dass in modernen Hollywoodstreifen, die vom Mittelalter erzählen, auch ordentlich gekämpft und geschlachtet wird. Und klar ist auch, dass dies hier visuell und inszenatorisch erwartungsgemäß auf Top-Niveu präsentiert wird. Die Endschlacht am Strand von England gestaltet sich aber zu einer weiteren, austauschbaren und vorhersehbaren Auseinandersetzung an, wie sich der regelmäßige Kinogänger schon zigfach gesehen hat. Hier wäre es Zeit für eine Reformation und eine bessere Dramaturgie in der Dramaturgie, genauer gesagt eine Schlachtdramaturgie, die nochmal ihre eigenen Überraschungen und Wendungen bereit hält. Dazu gehört auch der obligatorische Endkampf des Helden gegen den Bösewicht, welcher am Ende mit einem gezielten Schuss mit Pfeil und Bogen beendet wird. Der Gedanke daran versetzt mich abermals in leidvolles Gähnen.

Gutes Spiel, schön hässliches Mittelalter, aber am Ende doch belanglos

Alle Figuren machen durchweg eine gute Figur, obwohl man sich darüber streiten kann, ob Russel Crowe als Rebell mit Gewissen die richtige Rollenwahl darstellt. Trotzdem, was da gespielt wird ist auf hohem Niveau und fällt nicht weiter auf, genauso die Präsentation des Filmes, ganz im professionellen Stile von Ridley Scott. Die Musikuntermalung darf da gerne auch 08/15 sein, aber gerade die anfängliche Belagerung der französichen Burg, mit all seinem alltäglichen sozialen Leben im Schlachtenalltag, nur einen Steinwurf vom Tod entfernt, wurde hier höchst faszinierend dargestellt. Leider will aber der ab und an in der Geschichte aufkeimende Humor nicht wirklich in das Gesamtbild passen, was auch in dem schwachen Drehbuch zugrunde liegt.

Es ist sehr schade, dass Ridley Scott hier nicht die offensichtlichen Schwächen des Drehbuches erkannt hat, und trotzdem diesen Film gemacht hat. Nur weil mal ein Sandalenfilm namens “Gladiator” so außerordentlich gut war, heißt das nicht, dass die Nachfolgenden dies auch sind. Ridley Scott sollte sich auch aufgrund seines gehobenen Alters nicht auf seinen Regielorbeeren ausruhen. Altergenossen wie beispielsweise Clint Eastwood tun dies schließlich auch nicht, und können trotz einer gewissen Erzählgemütlichkeit in ihren Filmen noch dichte und spannende filmische Erzählung darbieten. Das, Herr Scott, wünsche ich mir auch von Ihnen beim nächsten Mal, und ich spreche hier vor allem von den kommenden Alien Filmen.

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