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Filmkritik “Sherlock Holmes”: Oberflächlich berechnend 6/10
Von Dennis in Film und TV, Filmkritik | keine Kommentare
Am Wochenende war mal wieder Kino angesagt und gönnte mir einen Guy Ritchie Film, der leider seit “Snatch” auch nichts mehr wirklich ordentliches auf die Leinwand gebracht hat. Hinterläßt nun sein popkulturelles Remake des Sir Arthur Conan Doyle Klassikers “Sherlock Holmes” einen ähnlichen Eindruck? Nein, nein, ganz so schlimm ist es auch wieder nicht.
Meine Kritik lest ihr nach dem Klick.
Die Geschichte um den Meisterdetektiv, die uns Regisseur Ritchie hier präsentiert, ist schnell erzählt. Holmes (Rober Downey Jr.) und Watson (Jude Law) werden, während Holmes sich in selbstzerstörerischer Agony ertränkt, und Watson beginnt mit seiner Zukünftigen ein neues Leben zu beginnen, von einem alten Fall eingeholt. Lord Blackwood (Mark Strong) will mit Hilfe satanischer dunkler Mächte zusammen mit einer verschworenen Gemeinschaft zuerst das königliche Empire stürzen und anschließend die ganze Welt. Klar, dass unsere beiden Helden dies nicht so einfach geschehen lassen können. Irene Adler (Rachel McAdams) als zwielichtiger “Love-Interest” darf hier natürlich nicht fehlen und zusammen geht es dann von Kampfszene zu Kampfszene, und von Spurensicherung zu Spurensicherung.
“Sherlock Holmes” macht vieles richtig, und leider auch hauptsächlich im Namen der Regie ein paar Dinge falsch. Richtig ist die grundsätzliche herangehensweise an einen Stoffes, der aus dem 18ten Jahrhundert stammt, diesen mit witzigen Dialogen, wie auch in seiner Präsentation so darzustellen, wie Ritchie es gemacht hat. All zu sehr “Popkulturell” wird er dabei nicht, sondern bewahrt hier ein Gleichgewicht aus einem fülligen Kriminalhistorienfilm und einer aktionreichen und ansprechenden Präsentation.
Da macht es auch meiner Meinung nach durchaus Sinn, einen durch Robert Downey Jr. wirklich hervorragend dargestellten Sherlock Holmes zu nehmen, der sich ständig am Rande des Wahnsinns befindet. Ein so cleverer Geist wie dieser, der wirklich keine Chance außer Acht läßt sein Können zu beweisen (was in diesem Film leider doch etwas zu oft gezeigt wird), muss schließlich Verrückt sein. Genie und Wahnsinn liegen nur wirklich nahe beieinander, und die Wahl, Watson hier als gefassten Gegenpol dazu stellen war von Drehbuch- und Regieweise her eine gute Wahl. Der Zuschauer verfolgt gerne die beiden Figuren auf ihren teils extentrischen Pfaden und auch wer nicht die Geschichten von Autor Sir Arthur Ignatius Conan Doyle gelesen hat, findet sich schnell in deren Beziehung und der Geschiche zurecht.
Das große Problem das “Sherlock Holmes” aber leider hat, ist das Regisseur Ritchie sich viel zu oft in gewisse Szenen und Sequenzen zu sehr verstrickt, und dabei teilweise Dinge in Bewegung setzt, die er später nicht mehr einlößt. Sicher, die Kampfszenen in denen Holmes sein analytisches Geschick im Faustkampf unter Beweis stellt, sind schön mitanzusehen, gepaart mit der tollen Musik haben sie sogar fast ihre Berechtigung, aber an und für sich sind sie völlig unnötig für den Film. Dem Zuschauer wird ständig das Können von Holmes unter die Nase gerieben, dass es teilweise schon lästig ist. Man erwartet, dass solche Szenen später zur eigentlichen Handlung beitragen, wenn Holmes sie wirklich einsetzen muss, zum Beispiel beim großen Finale, aber leider ist dem nicht so. So wirkt leider auch der Endkampf etwas unbefriedigend bis auf die Tatsache, dass hier die zu erwartende Auflösung der Handlung dargelegt wird, die im Großen und Ganzen aber auch keine großen Überraschungen bereit hält. Auch diverse erklärende toll gemachte Rückblenden, die jeweils erklären, wie Holmes dieses oder jenes heraus gefunden hat, sind beinahe schon belanglos, wie zum Beispiel die Verfolgungszene mit Irene Adler zur Kutsche von Holmes späteren Erzfeind Dr. James Moriarty. Somit hätte eine Kürzung des Filmes sicherlich etwas gutes getan, bzw. die Einlösung von diversen eingebrachten Handlungspunkten oder eine etwas zurückhaltendere Nutzung der zahlreichen stark konstruierten “Detektivarbeiten”.
Der Film verspielt so ein wirklich großes Potential das in ihm inne wohnt, kratzt hier und da an der Oberfläche, hat aber trotz allem sicherlich auch einige Lichtblicke.
Da wäre zum Einen die wirklich grandiose Ausstattung und das Szenenbild des Filmes von London in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und des derzeitigen Baus der Tower Bridge. Der Look-and-Feel stimmt einfach und man schaut gespannt auf jedes Detail im Film. Zum Anderen fällt auch sofort der grandiose Soundtrack des Filmes auf, der für Altmeister Hans Zimmer fast schon eine Innovation im ständigen “Brachial-Gerumpel” ala “Piraten der Karibik” darstellt. Die Kombination aus Polka und “Balkan-Beats” macht Spaß und unterstreicht die Figuren und die Szenen. Schön ist auch die Entscheidung, die Kampfszenen ohne große Ballerei zu inszenieren. Klassischer Faustkampf ist angesagt, mit nur ein kleinwenig Martial Arts, gerade so das man nicht den Kopf schüttelt sondern voll dabei ist. Dialogwitz und schauspiel, gepaart mit einer ordentlichen Cast, tragen zu einem doch netten Kinoabend bei.
Wie zu erwarten endet so auch der Film mit einer klaren Ansage auf eine Fortsetzung, die sich auch schon in der Vorproduktion befindet. Ich hoffe, dass Ritchie dabei nicht ganz so “cool” agieren wird wie in diesem Film, und doch eher der Handlung mehr Raum gibt als zahlreichen kleinen “Nummern” wie in einer “Revue”.
6/10
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