10
Jan’s Neujahrskolumne Teil 3
Von Dennis in Medientrends | keine Kommentare
Jan’s Neujahrskolumne geht in die dritte und letzte Runde. Diesmal setzt er sich mit dem Gedanken auseinander, wie es den wohl wäre, in der heutigen Zeit ein Kind zu sein.
Kommt mit uns lest nach dem Klick.
´s Jahr halt
Teil 3
Nachdem ich über die Jugend fabulierte, überlegte ich mir einfach noch ein Stück weiter in die Vergangenheit zu gehen. Das ganze wurde mir dann aber zu Moralinsauer und lief auf ein „früher war alles besser“ hinaus, so dass ich es liegen ließ.
Pika Pika
Ich habe mich gefragt, wie es wohl wäre heute Kind zu sein. Warum auch nicht.
Als erstes fallen mir da natürlich Sprüche von Erwachsenen ein, die behaupten, dass früher alles schwerer gewesen sei. Klar, die nachfolgende Generation profitiert immer vom erworbenen Fortschritt der vorhergehenden. Das zeigt sich dann in Sprüchen wie:“Unser Gameboy hat damals noch fast ein Pfund gewogen und der Akku war bereits nach drei Stunden leer. Und ihr beschwert euch, wenn euer Handy eine halbe Minute zum hochfahren braucht!“ So gesehen darf sich ein Kind heute über gar nichts mehr beklagen. Auch nicht, dass es ein Einzelkind ist. Schließlich habe ich selber zwei jüngere Geschwister, die mich plagten und die immer mehr durften als ich, als ich in ihrem Alter war.
Davon abgesehen sind Einzelkinder echt nicht zu beneiden Da die Geburtenraten sinken, gibt immer mehr davon. Und meist handelt es sich dann um Wunschkinder. Die haben es nicht leicht, weil sich alle Erwartungen der Eltern in einem Kind bündeln. Bei mehreren Geschwistern besteht ja immer noch die Möglichkeit, dass eines der anderen Kinder den Karren aus dem familiären Dreck zieht. Früher konnte man so seine Kinder noch ermutigen: “Sohn, Du kannst alles erreichen. Du kannst Bundespräsident werden, wenn Du nur willst und Dich anstrengst. Und wenn Du Dich nicht anstrengst, dann wird Deine Schwester Bundespräsident und Du weißt ja, wie die nerven kann!“ Aber bei einem Einzelkind heißt es: “Sohn, Du wirst Bundespräsident! Streng Dich gefälligst an, wir stecken viel Geld in Deine Ausbildung!“
Ich kann mich noch gut erinnern wenn meine Mutter sagte, ich solle mein Zimmer aufräumen, es sähe darin aus wie im Saustall. Und wenn ich entgegnete, solange es noch nicht so riecht sei doch alles in Ordnung, ließ sie das nicht gelten. Aber wer sagt den Kindern heute, dass sie ihr Zimmer aufräumen sollen? Niemand. Kinderzimmer sind nicht mehr unaufgeräumt. Entweder werden die Kinder medikamentös ruhig gestellt oder es gibt neben dem Bett und der Playstation schlicht nichts im Zimmer, was ausgeräumt werden könnte.
Was sagt uns das über die Kindheit heute?
Es sagt uns dass es die Kinder heute mit Sicherheit schwerer haben als wir früher. Beispielsweise gibt es immer mehr junge Mädchen, die bereits im Kindesalter mit Diäten anfangen. Und das hat nicht unbedingt was mit der Magermode zu tun. Die gibt es schließlich schon seit fast 45 Jahren, man erinnere sich an Twiggy.
Nein, früher saß man mit den Eltern vor dem Fernseher und wenn so ein Hutständer auftauchte, wurde das entsprechend kommentiert mit „die braucht zum Betreten eines Kaufhauses immer einen Begleiter, der sie festhält, damit sie der Türschleier nicht weg weht.“
Inzwischen schauen Kinder weniger Fernsehen und surfen mehr im Internet ohne Aufsicht der Eltern. Auch ich habe ab und zu heimlich Fernsehen geschaut, aber das ist gelinde gesagt ein Scheiß gegenüber dem, was einem im Internet an Pornographie und Gewalt geboten wird.
Aber ich schweife ab, eigentlich geht es um fehlende Wertevermittlung. Die Medien sagen dürr sein ist cool, die Eltern sagen gar nichts. Und wie heißt es so schön? Schweigen ist Zustimmung. Oft müssen beide Elternteile arbeiten. Ist aber auch klar, Kinder sind schweineteuer. Die fressen einem die Haare vom Kopf und haben die lästige Angewohnheit, alle zwei Monate größere Schuhe zu brauchen.
Fehlende Wertevermittlung heißt aber auch Kindern statt einem Pausenbrot Geld mitzugeben. Ich sehe jeden Tag, egal wo ich mich gerade aufhalte (bin beruflich viel unterwegs), um die Mittagszeit das gleiche Bild. Schulkinder mit Pizzakartons in der Hand oder einer Familienpackung Gummiwürmer. Das soll dann das Mittagessen sein. Ich hatte schon Diskussionen mit Eltern wegen diesem Thema. Und das Argument war immer das selbe:“Wenn ich meinem Kind ein Brot mitgebe, isst es das nicht und ich kann doch mein Kind nicht verhungern lassen.“ O-Ton. Ehrlich. Und dummes Gewäsch obendrein! Die haben bloß keine Lust, sich mit den Kindern auseinander zu setzen und auch mal was durchzudrücken. Sonst würde ja wohl jeder von uns den Anblick von kleinen verhungerten Kinderleichen, die vor den Schulen liegen, kennen. An denen laben sich schon die Schakale und in den Rucksäcken finden sich neben Spickzetteln vergammelte Pausenbrote.
So genannte Managerkrankheiten, wie Bluthochdruck, Burnout oder Schlafstörungen gibt es inzwischen auch schon bei Kindern. Das kommt nicht nur durch das ungesunde Mittagessen, sondern wird auch noch unterstützt durch Zeichentrickserien!
Ich will erklären, warum.
Wenn ich eine Zeichentrickserie mochte, dann sah ich sie mir an und das war es. Heute kauft man das Spielzeug, die Sammelkarten und was weiß ich nicht noch alles. Die Inhalte sind zudem anders geworden. Früher oft noch mit moralischen Inhalten, heute um möglichst viel Merchandising zu verkaufen.
Meist läuft eine heutige Serie so ab: Ein/Eine Protagonist/in zieht durchs Land (meist Japan), um der/die beste TrainerIn/SammlerIn/KämpferIn zu werden. Dabei werden Tiere/Karten/Kugeln gesammelt, in denen sich ein Tier/Monster/Roboter befindet, das dann gegen andere Tiermonsterroboter antritt.
Was soll das den Kindern vermitteln, habe ich mich lange gefragt. Aber eigentlich liegt es auf der Hand. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Um dem Rechnung zu tragen, müssen Kinder schon früh an die Rolle der Führungskraft gewöhnt werden. Sprich Mitarbeiter in winzigen Behausungen einzusperren und nur raus lassen, damit sie ihr Leben für den Chef riskieren. So haben die Kinder später auch keine Skrupel Mitarbeiter auszuspionieren und wegen Lappalien zu entlassen.
Ich kannte ein Kind, dessen Eltern ihm im Alter von zwei (in Zahlen:2!) Jahren nur Kinderbücher mit Rechen- und Sprachaufgaben kauften. Mit zwei! Jetzt muss man dazu sagen, dass es sich um ein chinesisches Kind handelte und dass China nicht umsonst so rasant zu einer der führenden Wirtschaftsmächte geworden ist.
Wenn ich jetzt ein Fazit daraus ziehen möchte, dann doch folgendes: Ich bin froh, dass ich heute kein Kind mehr sein muss und dass ich noch zwei Geschwister habe. Und ganz, ganz vielleicht habe ich dadurch einmal gute Chancen, eine Führungskraft mit Skrupeln zu werden!
Related posts:
