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Jan’s Fudderkolumne Numero 5: Von sogenannten Trends und Stilbackwashs
Von Dennis in Comedy, Medientrends | keine Kommentare
Jan ist wieder da und Aggro as ever! Was um ihn rum passiert, was die nicht kapieren oder er nicht, eine Analyse. Die Welt scheint wirr und durchgeschleudert. Ein Versuch, Ordnung ins Chaos zu bringen. Viel Spaß nach dem KLICK!
Sehr geehrte Leser/innen:
Dieser Text enthält viele Flüche und Schimpftiraden, die mit dem derzeitigen beruflichen Stress des Autors zu erklären sind. Sein Therapeut riet ihm, sich auf diese Weise Erleichterung zu verschaffen. Bitte tragen Sie dafür Sorge, sollten Ihre Kinder dies lesen, ihnen an den entsprechenden Stellen die Augen zu zuhalten. Oder lesen Sie den Text einfach vor und zitieren Sie aus Arielle, die Meerjungfrau. Vielen Dank.
Mineralstoffe und Knabbern
Kommt Ihnen der Titel bekannt vor?
1. Ja? Gut!
2.Nicht? Dann nochmal (zumindest) die Überschrift der letzten Kolumne lesen und sofort wieder herkommen!
Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass der Titel ein wenig dem vorherigen ähnelt. Doch was soll ich da sagen? Es tut mir Leid, mir fiel nichts Neues ein. Warum sollte es auch? Kaum jemand lässt sich doch noch etwas Neues einfallen. Heutzutage wird „recycelt“. Oder „wiederbelebt“. Oder sich „rückwärtsorientiert“.
Auf gut deutsch: Die alte Scheiße wird wieder aufgewärmt.
Das macht man aber nicht selber, sondern wird nur noch Experten überlassen. Und die nennen es dann „Trend“.
Und das ist so eine Sache, von der ich natürlich eine ganz exklusive Meinung habe.
Fangen wir doch mit dem an, was uns am Allernächsten ist. Und ich meine nicht das Auto (kommt noch), ihr Banausen!
Ich meine uns selbst. Wir. Unseren Körper. Es gibt eine Menge Möglichkeiten ihn individuell zu gestalten. Durch das Trinken von hektoliterweise Bier durch einen Schlauch auf einem Festival zum Beispiel. Oder durch das regelmäßige Übernachten unter einer Sonnenbank etwa. Oder mit der Königsdisziplin: Dem Tätowieren.
Ich bin auch tätowiert. Ich wollte mich schon mit sieben tätowieren lassen. Zum Glück haben mir das meine Eltern damals verboten. Wie sähe das jetzt wohl aus, da ich ja wider Erwarten doch noch ein bisschen gewachsen bin?
Wie nun mancher denken mag bin ich nicht an meinem 18. Geburtstag ins Tattoostudio gerannt, nein, viel mehr hat es noch vier ganze Jahre gedauert bis ich mich entschloss, mich in die Hände eines ziemlich zwielichtigen Typen zu geben.
Es lag ganz einfach daran, dass ich nicht das passende Motiv und die passende Stelle fand. Ich hatte da verschiedene, nicht sehr einfallsreiche Ideen. Ein Schwert umrahmt von einer Schlange auf dem Oberarm oder so. Ein Troll auf dem Schulterblatt oder einige chinesische Schriftzeichen in den Nacken. So verging Jahr um Jahr, das Ende der Neunziger zeichnete sich bereits ab und ich hatte endlich meine Stelle: meine linke Flanke. Das hatte ich noch nie irgendwo gesehen und hielt es daher für halbwegs ausgefallen.
Nun bekam ich natürlich dumme Sprüche zu hören, wie „Tätowieren ist doch voll out!“ (Wie gesagt; das Ende der Neunziger). Aber zu diesem Zeitpunkt war ich meiner Antwort schon sehr sicher. Sie lautete in etwa: “Nee, is klar.“
Die meisten Menschen sind sich wohl nicht bewusst, was eine Tätowierung bedeutet. Unzählige Arschgeweih-Opfer können davon einen Rap sprechen: Man hat sie, bis man in Form von Soylent Green auf der Speisekarte des einfachen Volkes steht.
Und wie lange halten Modeerscheinungen? Eben.
Man stelle sich mal vor, es wäre möglich sich Frisuren in Beton gießen zu lassen und die Frauen hätten noch die Frisen aus den Siebzigern. Und man denke an die Oberlippenbärte der Männer. Es macht also wenig Sinn sich jetzt einen Finger zu amputieren, weil es gerade im Kommen ist, wenn schon im nächsten Winter halbseitige Gesichtslähmungen ganz groß sind. Aber was soll man machen? Tragt die Klamotten, die ihr wollt, lasst die Haare auf euren Schultern stehen und euch einen Rauschebart wachsen.
Dabei bin ich mir des Dilemmas durchaus bewusst. Man will einerseits außergewöhnlich sein, andererseits aber auch irgendwo dazugehören. Wenn ich durch die Straßen gehe und ein paar junge Männer mich passieren, denke ich oft: „Mann, sehen die scheiße aus.“ Dann erfahre ich, dass dies aber im Moment enorm in Mode ist und muss umdenken: „Liege ich etwa falsch?“ Sehen die etwa gar nicht scheiße aus? NEIN verdammte Kacke! Die SEHEN scheiße aus. Der einzige Unterschied ist, dass ein Großteil der Bevölkerung für diesen einen Sommer eingebläut wird, das gefälligst gut zu finden. Schließlich gibt es in Amerika einen Prominenten, der vorigen Monat genau diese Klamotten an hatte, als er im Supermarkt Staubsaugerbeutel kaufen war.
Das Thema Musik. Und damit meine ich nicht das Hintergrundrauschen, das aus dem Radio kommt. Im Ernst, Musik sagt viel über unseren Charakter aus. Vielleicht gar nicht mal die Richtung allein, sondern wie angesagt der Stil gerade ist. Ich könnte, nein ich KANN mich noch heute über eine ehemalige Arbeitskollegin aufregen. Jedes mal, wenn ein Lied im Radio kam, das gerade in den aktuellen Charts vertreten war, sagte sie wörtlich: „Oh, das Lied ist voll schön“ Und da im Radio nun mal sehr viele Lieder aus den aktuellen Charts zu hören sind, vernahm ich diesen Satz gefühlte sechshundert mal am Tag.
Und es hätte mich nicht verwundert, wenn aus dem Radio der Satz ertönt wäre:“Und nun der neue Hit von…“ und meine Kollegin sagt schon:“Ohhh, voll schön“. Aaargghh!
Es zeugt also nicht von Geschmack nur das toll zu finden was einem vorgesetzt wird. Aber zeugt Volksmusik von Geschmack, nur da sie nicht groß in den Charts vertreten ist? Oder Minimal Electro? Für mein Empfinden nicht.
Aber was zeugt dann von Geschmack? Was weiß ich, ich bin doch nicht euer Gott! Bildet euch gefälligst selber eine Meinung!
Aber tröstet euch, anderen Menschen geht es genauso. Die wissen auch nicht, was sie gut finden sollen. Und was machen solche Menschen dann? Sie machen einfach alles.
Ein Beispiel.
Kaffee. Das Getränk der Götterdiener, die früh aufstehen müssen, um den ganzen Tag zu ackern. Türkischer Bohnentee. Wachmacher. Schwarzes Gold. Flüssiges Aphrodisiaka. Doch genug der Schwärmerei.
Ja, Kaffee wurde früher noch pur genossen. Wahlweise mit Milch und/oder Zucker. Das war es. Hat Jahrhunderte funktioniert. Aber dann kam IRGENDJEMAND auf die Idee (ich will hier ja nicht meine ehemaligen Kollegin beschuldigen) Sirup in den Kaffee zu gießen und ihn in einem Pappbecher zu servieren. So dass man gar nicht erst auf die Idee kommt, sich im Café hinzusetzen und teure Servicekräfte in Anspruch zu nehmen.
Man bestellt sich ob der großen Auswahl also einfach einen Kaffee mit Milch, Schaum, Mandellikör, Zimtsirup, Kakaopulver und Marshmallow oben drauf. So ist man nicht gezwungen eine Entscheidung zu treffen, die einen wohl möglich bis ans Lebensende verfolgt: “Ich hätte den Espresso nehmen sollen.“
Darüber hinaus lässt sich damit der furchtbare Kaffeegeschmack übertünchen. Dass dies funktioniert sieht man an den Fünftklässlern, die mir morgens auf dem Weg zur Arbeit mit einem Becher Kaffee entgegenkommen. Ja, Fünftklässler. Ich finde das eine merkwürdige Entwicklung, die man nicht alleine auf die Serie „Gilmore Girls“ schieben kann. Vielmehr müssen sich die mit Ritalin voll gepumpten Kinder ja irgendwie wieder ins Leben rufen. Aber das nur am Rande.
Noch ein Beispiel: Das Auto. Das Heiligs Blechle. Des Deutschen liebstes Kind. Zweieinhalb Kubikmeter Freiheit. Die Penisverlängerung. Nun ja,Sie wissen schon.
Früher gab es einen Fahrzeugtyp für jeden Zweck. Einen Kombi, um Kind, Kegel und das Urlaubsgepäck transportieren zu können und einer Frau ernste Absichten zu heucheln. Einen Kleinwagen, um bekifften Studenten das einparken zu erleichtern und einen Platz zum Poppen zu gewähren. Einen Sportwagen, um Frauen abzuschleppen. Eine britische Nobelkarosse, um zu zeigen, dass man es sich leisten kann, Frauen auszuhalten. Und einen Geländewagen, um Bergziegen zu jagen und alles andere, was nicht bei drei auf dem Bäumen ist.
Und Heute? Heute will sich keiner mehr damit zufrieden geben, dass er sich nur ein Auto leisten kann. Also wird ein so genanntes SUV (Sports Utility Vehicle) gekauft. Was soll sollen das bitte für Autos sein? Große Autos, die aussehen als hätte man einen Porsche mit einem VW-Passat gekreuzt, dieses auf ein Fahrwerk eines Jeeps gepflanzt und Formel-1-Reifen aufgezogen.
Für Leute, die sportlich auf der Autobahn und im Gelände mit ihren Kindern und dem Samstagseinkauf zeigen wollen, dass sie Geld haben. Die allerneuste Entwicklung geht noch einen Schritt weiter. Jetzt nennen sich die Fahrzeuge Softroader. Das sind kleine SUVs. KLEINE SUVs! Also einen kleinen Kombi mit sportlichen Ambitionen und Geländegängigkeit. Wenn dann als Zubehör noch eine Baggerschaufel und ein Kanonenrohr angeboten werden, sind wirklich alle Fahrzeugtypen dieses Planeten vereint. Und dann hat es die Autoindustrie endlich geschafft. Es muss nie wieder etwas neues entwickelt werden.
Bei der Musik sieht es ähnlich aus. Denen fällt nichts, aber auch so gar nichts neues mehr ein. Da werden einfach zwei Songs übereinander gelegt und das nennt sich dann „Bastardpop“. So einfach ist das. Ich tat dies anfangs als eine amüsante Randerscheinung der Musik ab, die teilweise sogar erstaunlich gut funktioniert und von einer Handvoll Freaks entwickelt wurde. Man gebe nur einmal „Eminem vs Nena“ bei Youtube ein.
Doch inzwischen wird das mehr und mehr zur Populärmusik . Refrains aus alten Klassikern werden mit „Hooklines“ aus den Neunzigern vermischt und ein neuer Text drüber gelegt. Und bevor ich mich entscheiden kann, ob mir der Song gefällt oder nicht, muss ich erst einmal drüber nachdenken, woher ich das alles schon kenne. So macht für mich Musikhören keinen Spaß.
Doch soll dies tatsächlich die Zukunft der abendländischen Musikkultur sein? Wenn ja, dann wird sich alles wird eines Tages zu einem einzigen Brei aus Geräuschen entwickeln. Womit wir wieder bei dem Hintergrundrauschen aus dem Radio wären.
Wir haben heute also wieder etwas gelernt: Dass es Bastardautos, Bastardkaffee und Bastardmenschen gibt. Dass Geschmack Geschmackssache ist. Und dass die ganze Welt voll Arschblödscheiße ist.
Natürlich kann ich meinen (überschaubaren) Leserkreis nicht mit so einem negativen Schlusswort zurücklassen. Daher möchte ich für alle, die denken sie hätten keine guten Ideen mit einem Satz schließen, den ein kluger Mensch sinngemäß in etwa so der Nachwelt hinterließ:“ Kreativität ist das Anwenden bekannter Muster auf neue Probleme.“
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