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Jans Kolumne Numero 4: Von Werbung, Ernährung und Politik
Von Dennis in Medientrends | 3 Kommentare
Zu allererst muss ich mich entschuldigen. Der regelmäßige Besucher meiner Seite ist es ja eher gewohnt, die allwöchentlichen Kolumnen von Jan an einem Sonntag genießen zu können. Dies wäre auch kein Problem gewesen, hätte ich gestern nicht meine Zeit damit verschwendet Tom Hanks dabei zu verfolgen wie er durch Paris rennt, auf der suche nach Symbolen und Maria Magdalena. Allein dieser Umstand, dass ich deswegen erst heute die Kolumne online stellen kann, beschämt mich. Die Faust gen Himmel gereckt, kann ich nur sagen: “Wieso, Ron Howard, wieso?!”
Aber ich schweife ab. Viel Spaß mit Jans ganz persönlicher Ansicht von den Dingen des Alltags.
Vitamine und Naschen
Es gibt so viele Dinge, mit denen man sich seine geringe Freizeit vertreiben kann. Mit essen zum Beispiel. Oder mit sportlichen Aktivitäten. Oder lesen, oder schreiben, oder Liebe machen, oder Musik hören, oder Musik machen, oder in der Nase poppeln, oder im Wald spazieren gehen, oder am besten alles gleichzeitig.
Schön zu wissen, wenn das Leben einem soviel bereithält. Aber die meiste Zeit verbringen dann viele doch mit der ungekrönten Königin der Freizeitaktivitäten. Fernsehen auf dem Sofa.
Und dabei stach mir dann ein bestimmter Werbespot ins Auge (und ins Ohr).
In diesem macht Dieter Bohlen nämlich Werbung für Grillwürstchen. Wieso auch nicht. Prominente, oder solche, die dafür gehalten werden, bessern ihr Einkommen ja gerne mit Werbung auf. So hat Dieter Bohlen vor einiger Zeit bereits Werbung für Müller-Milch gemacht. Was ich jedoch erstaunlich finde ist, dass er zudem noch Werbung für eine Cholesterin senkende Margarine macht. Passt irgendwie zusammen. Die Leute hauen sich dutzendweise Würstchen rein und müssen dann nochmal so viel Margarinebrote verdrücken, um nicht noch in der selben Nacht an Arterienverkalkung zu verenden.
Noch interessanter finde ich, dass Alice Schwarzer Werbung für die BILD-Zeitung macht. Ja genau, die Alice Schwarzer, die immer wieder die BILD-Zeitung wegen Frauenfeindlichkeit angegriffen hat und die im Rahmen ihrer „PorNO-Kampangne“ bis in die späten Neunziger hinein versuchte Pornographie zu verbieten.
Da ja niemand je eine BILD-Zeitung gelesen hat, ist hier vielleicht anzumerken, dass auf der Titelseite immer eine halbnackte Frau zu sehen ist, versehen mit einem dümmlichen Kommentar wie: „ Das ist Sandy (19). Ihre Hobbies sind am Wochenende weggehen und Fernsehen. Manchmal stellt sich Sandy ganz nackt unter die Dusche und seift sich am ganzen Körper ein. Und dann sehnt sie sich nach ihrem Traummann, der ihr dabei hilft.“
Ich bin beileibe kein Fan von Frau Schwarzer, doch fand ich es immer faszinierend, dass die Ihr Ding so strikt durchgezogen hat. Nun, bis jetzt halt. Und was sagt uns das? Das Menschen für Geld wirklich alle ihre Überzeugungen über den Haufen werfen und mit Füßen treten. Wir sollten uns also mit dem Gedanken anfreunden, dass Dieter Bohlen in Wirklichkeit vielleicht Vegetarier ist, dass die Klitschko-Brüder wahrscheinlich lieber Blenis als Milchschnitte futtern und das Günther Jauch der Regenwald voll am Arsch vorbei geht.
Dann gibt es da noch ein Danone-Produkt, welches sich „Actimel“ nennt und mittlerweile auch C-prominente Unterstützung in der Person von „Mr. Welt der Wunder“ Hendrik Hey erfahren hat. „Actimel“ soll die Abwehrkräfte von innen heraus aktivieren und stärken. Dafür wurde eine Bakterienkultur gezüchtet, die man „L(actobacillus).Casei Defensis“ genannt hat.
O.K. Erstens: Wer kauft ein Produkt mit selbst gemachten Bakterien, die einen Namen haben, der offensichtlich aus einem Lateinbaukasten für Fünftklässler stammt?
Zweitens: Wer kauft einen Joghurt, der dass dreifache vom einem normalen Joghurt kostet?
Drittens: Wer kauft einen Joghurt, der von Hendrik Hey beworben wird?
Nimmt man das Produkt genauer unter die Lupe, stellt man folgendes fest. Hier wird ein schweineteures Produkt verkauft, dessen zweifelhafte Wirksamkeit nicht höher ist als die eines Naturjoghurts, welcher außer Joghurt in erster Linie Zucker enthält und Eltern weismachen will, dass ihr Sprössling auf gar keinen Fall eher draußen Fußball spielen darf, bis es nicht mindestens einen Becher dieser Pampe getrunken hat.
Aber die Strategie dahinter ist nicht schlecht und funktioniert bei fast allen Lebensmitteln gleich. Es wird einfach behauptet, dass es gesund ist.
Egal ob es sich dabei um eine Limonade handelt, die so gesund sein soll, weil sie keine Konservierungsstoffe enthält oder um Bonbons, weil die Süße aus Früchten stammt.
Sind die eigentlich bescheuert? Ist jetzt schon ein Lebensmittel gesund, nur weil es keine Schadstoffe enthält? Soll ich jetzt Fruchtzwerge essen, nur weil jetzt weniger Benzol drin ist?
Und was soll das mit der Süße aus Früchten? Mir doch wurscht, wo der Zucker herkommt. Wahrscheinlich heißt demnächst der Haushaltszucker, der bekanntermaßen aus Zuckerrüben gewonnen wird, „Süße aus Wurzeln“.
Zudem werde ich an den Pranger gestellt und muss mir vorwerfen lassen, mich nicht genug zu bewegen, zu viel Stress zu haben und mich nicht ausgewogen ernähre. Und wird das lange genug behauptet, werde ich auch irgendwann anfangen es zu glauben und das Zeug kaufen. Max Frischs´ Andorra lässt grüßen.
Völlig ohne prominente Unterstützung kommt dagegen bis jetzt die Werbung für den Joghurt „Aktivia“ aus. „Aktivia“ soll die Verdauung regulieren und einen Blähbauch verhindern. Dazu demonstriert eine tolle Grafik einen Bauch der direkt nach der Einnahme des Gesöffs ganz flach wird. Da freuen sich alle dicken Frauen, die ja nur so dick sind, weil sie ein paar Blähungen haben. Die können sich dann schön einreden gertenschlank zu sein und nur wegen des Bohnensalats vom Abendessen einen Poncho tragen zu müssen, weil sie nirgends mehr sonst rein passen. Das Phänomen ist schließlich bekannt. Wenn man mexikanisch essen geht und als schlanker Mensch das Restaurant betritt, dann aber beim verlassen gute 40 Kilo mehr auf die Waage bringt, dann liegt das natürlich an den Gasen. Also ehrlich.
Über was meckern wir als nächstes? Genau! Über Alkohol. Nun ja, nicht über Alkohol an sich, schließlich wäre ohne ihn das Leben grau, langweilig und arm an Kindern.
Es geht um „Jägermeister“ und „Chantre“. Jene Freudenspender, bis vor einiger Zeit noch „Pennerglück“ oder „Landstreicherfreude“ genannt, fristeten ihr Dasein in kleinen Fläschchen an der Tankstelle. Doch inzwischen hat sich „Jägermeister“ zu einer Trendmarke entwickelt und „Chantre“ ist auf dem besten Weg dahin. Funktioniert hat dies durch eine Verjüngung der Zielgruppe mit den entsprechenden Werbemaßnahmen. Computer animierte Hirsche, ein paar flotte Sprüche und als Alleinstellungsmerkmal die Aufforderung, „Jägermeister“ nur bei mit einer Temperatur von -18°C zu konsumieren.
Jede Marke will natürlich eine größere Zielgruppe erreichen, da ist es verständlich, dass auch schon die ganz Kleinen mit anpacken müssen. Und da Komasaufen zu einer der Trendsportarten den eingehenden 21. Jahrhunderts avanciert ist, ist es nur vernünftig dies mit Schnaps zu tun. Und ich spreche aus eigener Erfahrung wenn ich sage, dass ich es noch nicht geschafft habe mich ausschließlich mit Bier ins Sauerstoffzelt zu trinken, was mir bisweilen auch etwas peinlich ist.
Eigentlich wäre jetzt der Zeitpunkt, um das Thema dieser Kolumne auf mich zu lenken und zu überlegen, für was ich alles gerne Werbung machen würde. Zum Beispiel für die sagenhaften „Enlarge your Penis“-Produkte. Die bekommt man in der Regel per email angeboten und jeder Mann auf der ganzen weiten Welt hat dafür nur eine Antwort parat: “Bei mir hat sich noch keine beschwert.“
Oder für Autos mit bescheuerten Namen, wie zum Beispiel der „Opel Agila“. Fehlt noch der „Porsche Schnella“ und der „Mercedes Eleganto“.
Aber wie gesagt, nun wäre „eigentlich“ der richtige Zeitpunkt um aus aktuellem Anlass ein anderes Thema anzuschneiden.
Der geneigte Leser hat vielleicht schon festgestellt, dass die Straßen, Gehwege und Grünstreifen derzeit nicht nur mit Hundehaufen, sondern auch mit Wahlplakaten gesäumt sind.
Da sich bei mir inzwischen eine gewisse Politikverdrossenheit breit gemacht hat, musste ich erstmal überlegen was für Wahlen eigentlich stattfinden. Es ist Europawahl. Schön. Ich glaube das ist so wie die Deutschlandwahl nur größer.
Wie dem auch sei, auch hier wird natürlich Werbung betrieben. Aber irgendwie ist es wie bei der Waschmittelwerbung. Sie ist äußerst einfallslos und es wird seit Jahrzehnten das gleiche angepriesen. Es werden noch reinere Wäsche, noch mehr Arbeitsplätze und noch weniger Steuern versprochen. Aber wenn ich mal von mir ausgehe, ist meine Wäsche auch nicht reiner als vor zehn Jahren und weniger Steuern zahle ich auch nicht.
Da gibt es Slogans wie, „Wir lassen sie beim Thema Sicherheit nicht im Regen stehen.“ Huijuijui. „Werte sichern. Zukunft gestalten.“ Puh. Oder „Tom Aich – Gut für Stuttgart“. Boah. Das ist wie „Eisberge – Schlecht für die Titanic.“
Doch was mich wirklich fuchst, ist die Tatsache, dass es Leute gibt die sich diese Slogans ausgedacht haben und vermutlich einen Haufen Geld damit verdient haben. Aber den Werbeagenturen wird es auch sehr einfach gemacht. Die bekommen Vorgaben, die aber auch so gar keine Experimente zulassen. Schließlich sollen so viele Menschen wie möglich angesprochen werden. Keiner darf überfordert, verärgert oder sonst irgendwie stimuliert werden. Also präsentiert man Sprüche wie „Für mehr Bildung“ oder „Kinder-unsere Zukunft“. Was will man dagegen auch sagen?
„Was? Bildung? Ihr habt sie doch nicht alle! Die ganzen Yuppies mit ihrem gestelzten Geschwätz sollen bloß aufpassen. Und Kinder? Ihr spinnt ja wohl! Als ob wir da nicht schon genug von hätten.“ Nein, das würde sicherlich Niemand tun.
Wenigstens ist die SPD zumindest etwas einfallsreicher und schreibt „Finanzhaie würden FDP wählen” oder „Dumpinglöhner würden CDU wählen“.
Eigentlich gar nicht schlecht. Allerdings sind das doch alles ganz fade Versuche die anderen Parteien schlecht dastehen zu lassen. Um bis zur Wahlkabine im Kopf des Wählers zu bleiben, sollten solche Verunglimpfungen etwas plakativer ausfallen. „Amokläufer würden CSU wählen“ oder „Nazis würden NPD wählen“. Okay, dass wäre ZU einfach.
Aber man könnte einen solch griffigen Spruch aus Sicht der SPD auch auf sich selbst beziehen. „Batman würde SPD wählen“. Also bei mir würde das ziehen. Oder warum nicht die Kinder mit in die Entscheidung einbeziehen? „Picachu würde SPD wählen“. Suuper. Da geht man dann am Wahlsonntag zum Wählen und die Kinder quengeln:“Wählst Du die SPD? Wählst Du die SPD?“. Und wie wir das von Supermarktkassen kennen, es würde wohl funktionieren.
Hier noch mein persönliches Highlight am Schluss:„Für Deutschland in Europa“. Was soll das heißen? Für mich ist Deutschland bereits in Europa. Zudem klingt es, als wäre es aus den Dreißigern. Da hieß der Spruch allerdings noch „Für Deutschland ALS Europa“.
Da es zu Politik und deren Auswüchse noch so viel mehr zu erzählen gibt, werde ich das Thema in einer der nächsten Kolumnen vertiefen.
Endgültig abschließen möchte ich – passend zum Thema – diesmal mit einem alten indianischen Spruch:
Erst wenn das letzte „Nimm 2“ gegessen,
das letzte Kind fett geworden,
der letzte Euro ausgegeben ist,
werdet Ihr merken, dass man auch Äpfel essen kann.
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