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Central und Union – Armutszeugnis im Land der aufgehenden Filmindustrie

Von Dennis in Film und TV | 3 Kommentare

Vor einiger Zeit war ich mal wieder im Kino. An sich ist daran erstmal nichts außergewöhnliches, würde ich mich doch als Filmliebhaber und Cineast bezeichnen. Aber etwas war anders. Normalerweise bin ich immer in den Innenstadtkinos in Stuttgart, dem EM, Metropol oder Gloria. Für mich mit Abstand das beste Kinokomglomerat in der Region. Preise, Technik, Ausstattung, Events, wenig Werbung und Parkrabatt. Alles ist stimmig und vorallem “State-of-the-Art”. Und trotzdem bewahrt es sich noch den Geist des gemütlichen Popcornkinos, fernab ob riesigen Kinoplex Betonpalästen.

Nun begab es sich aber, dass ich meiner Schwester zwei Karten zum Geburtstag geschenkt habe. Allerdings nicht in den Innenstadtkinos oder, wie mir später wieder einfiel, in ihrem Stammkino dem UFA Cineplex, sondern dem Kinogeschwisterpaar “Central und Union” im schönen Ludwigsburg.

Sind wir also zusammen ins Centralkino gegenüber vom Arsenalsplatz gegangen und ich wußte schon vorher, ich hätte ihr wirklich eher UFA Karten schenken sollen. Oder gleich für die Innenstadtkinos, dann wäre es perfekt gewesen. Denn auch sie wußte, was uns erwarten würde. Nicht in Bezug auf den Film, wir kannten ihn natürlich noch nicht. Wir wollten in “Benjamin Button” (Kurzes Fazit: Ein schöner Film, nicht mehr und nicht weniger).
Aber was uns in Punkto Ausstattung, Kinotechnik, das audiovisuelle Erlebnis erwarten würde, dass wussten wir schon aus vergangenen Zeiten.

Eine viel zu kleine Leinwand im großen Saal, unscharfes wackeliges Bild, leiser und schlechter Ton. Gerade die Stimmen aus dem Center werden oft sofort verschluckt wen auch nur einer im selben Moment in die Popcorntüte greift. Und im Union hört man noch den Sound vom Nebenfilm. Zur Deko, willkommen zurück in den 80ern. Keine Events, keine Sneaks, somit auch kein Flair, kein Zauber.
Alles in allem, ein Preis-Leistungs-Verhältnis, wo es sich in jedem Punkt lohnt, nach Stuttgart zu fahren. Und das in einer Stadt wie Ludwigsburg, die schon als “schwäbisches Hollywood” bezeichnet wurde?

Das schöne Ludwigsburg. Die “Filmstadt” Ludwigsburg. So wird es schon seit einiger Zeit von Oberbürgermeister Spec und Konsorten gepredigt. Ich war schon auf diversen Veranstaltungen in der Region, von Premieren bis zu Preisverleihungen. Und immer wird gepredigt, gelobpreist, der Filmstandort Ludwigsburg. Die Filmakademie hier, die Animationen des “Roten Baron” da.
Der schwäbische Filmpapst Spec unter seinen Jüngern, frohlockend dass es nun aufwärts geht. Investitionen werden getätigt, Fördergelder verteilt, die Film Aka ausgebaut.

Aber ich frage sie Herr Spec, was ist mit ihren Kirchen? Was ist mit den städtischen Kinos in Ludwigsburg? Wofür werden Filme gemacht? Wo werden sie gesehen? Präsentiert sich eine von sich überzeugte Filmstadt mit einer solch desolaten Kinostruktur? Noch dazu mit einem sehr schönen alten Kino und Theater, dem “Skala”, in dem schon gar keine Filme mehr laufen?
Gut, tragen das “Luna” und “Caligari” noch zu einem Versuch bei, dass Niveau zu heben. Aber dies auch nur durch den Einsatz der Kino Kult Gemeinschaft. Die zwei alteingesessenen Häuser der Stadt, dass doch so ungleiche alte Geschwisterpaar “Central und Union”, sind schon runzelig und gehen langsam ein.
Ein Armutszeugnis. Der eigentliche Sinn des Filmemachens, der Film an sich und seine immer noch wichtigste Basis um von tausenden von Menschen gesehen zu werden, dass Kino, wird hier so vernachlässigt.

Herr Spec und die Medienbeauftragten, Filmakademie schön und gut, aber es sollte sich auch um die Kinoslandschaft gekümmert werden. Stuttgart macht es vor, also keine Scheu zeigen und sich hier eine Scheibe von abschneiden. Dann gehe ich auch gerne wieder mit meiner Schwester ins Kino nach Ludwigsburg.

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1. Heide schreibt am 20. Februar 2009 um 14:55

Naja, Dennis… Zum Glück ist seit dieser Woche in den hiesigen Nachrichten bekannt gemacht worden, dass das Kino “Scala” wieder Filme zeigen wird! Und keine Sorge, das “Central” Kino ist die miese Ausnahme der LB Filmhäuser… die anderen (eben die von Dir genannten Kinokult-Säle) sind ganz gut – klein aber technisch klasse. Also: das nächste Mal entweder Stuttgart oder zB das Luna.

2. Dennis schreibt am 20. Februar 2009 um 17:01

Gut, dass “Skala” bekommt wieder die Kurve, immerhin. Und die Kleineren besuche ich auch gerne, gerade dass “Luna” ist ein Traum (am Montag “Milk”). Ich sehe aber das “Central und Union” als Spielstädte fürs “große” Kino, also nennen wir es mal “Hollywood Mainstream”. Da sollte doch den Verbraucher etwas “artgerechteres” geboten werden. Dabei spreche ich nicht gleich von digitaler Projektionstechnik, aber zum Beispiel Ton und Bildgröße. Und ich fände es schön, einen zumindest in etwa gleichwertigen Standard im “Städle” zu haben wie in “Benztown”. Dann könnte auch der schöne Balkon im großen Haus wieder attraktiver werden.

3. Kai W schreibt am 22. Februar 2009 um 18:31

Hi Dennis, da muss ich mal voll und ganz zustimmen. Ich habe mich zwar immer etwas für die LB Kinos ausgesprochen, weil man muss net extra nach Stuttgart fahren, aber mit genau den von Dir beschreibenen Nachteilen hat man in LB Kinos zu tun. Was Du noch vergessen hast, meisten ist im Central nicht nur das Bild und der Ton schlecht es ist nahezu immer zukalt.

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